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10.05.2007

Kompetenz kontra Eigenbau: Energieeinsparung erfordert Qualifikation

Stuttgart: „Energiesparen, Steigerung der Energieeffizienz und die forcierte Integration von regenativen Energien gibt es nicht im Baumarkt um die Ecke“, stellte der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg anlässlich der Jahrespressekonferenz im Mai fest. „Ohne qualifizierte Fachkräfte ist die Umsetzung der Klimaschutzziele nicht möglich“, präzisierte der Fachverband weiter.

Der SHK-Handwerksbereich zieht zwei Konsequenzen aus dieser Feststellung: Der heutige Fachhandwerker wird - wie in vielen Bereichen – einem dauerhaften Lernen unterworfen sein und jeder traditionelle Handwerksbetrieb muss auf qualifizierte, weiterbildungswillige Mitarbeiter setzen. Eine immer komplexer werdende Technik verlangt Handwerker, die über den Tellerrand hinaus blicken. „Versierte SHK-Gesellen haben beste Beschäftigungschancen“, kommentierte Dr. Hans-B. Klein, Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes, die Situation.

Ein Blick auf die gegenwärtigen Stellenausschreibungen und die statistischen Zahlen bestätigt diese Einschätzung. Die Fachhochschulen beklagen zurückgehende Studentenzahlen in den Techniksparten, seit Jahren gehen die Meisterzahlen in den SHK-Gewerken zurück und der demografische Wandel wird dem traditionellen Handwerk weitere Nachwuchsprobleme bringen. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg prognostiziert einen deutlichen Rückgang der Erwerbspersonen mit abgeschlossener Lehre beziehungsweise mit Meister- oder Technikausbildung.

Im SHK-Handwerk spürten die Betriebe bereits heute die ersten Konsequenzen, so Klein. Zunehmend falle es schwer fluktuationsbedingte Stellenwechsel auszugleichen. „Die Konjunktur hat sich deutlich belebt, die Auftragsbücher sind voller und die Zukunftsaussichten positiv, doch die Zahl der Beschäftigten ist 2006 wieder um 2,6 Prozent gesunken.“ Eine paradoxe Situation für das Handwerk: Die höchsten Löhne im Handwerk und gute Zukunftsperspektiven reichen zur Zeit nicht aus, um im ausreichenden Maß qualifizierte Kräfte zu finden und langfristig zu binden.

Was zeichnet eine gute SHK-Fachkraft – beispielsweise einen Kundendienstmonteur – aus? Neben dem technischen Know How als Grundlage, sind Kommunikationsfreude, Teamfähigkeit und die Begabung, dem Kunden komplexe Sachverhalte aufzuzeigen, gefragt. Das reine Wissen muss auf die jeweilige Situation vor Ort anwendbar sein. „Neugier und Flexibilität sind unabdingbar. Auf die allgemeinen Kundenaussagen „Es tropft!“ oder „Die Heizung streikt!“ gibt es Hunderte von Antworten“, skizzierte der Hauptgeschäftsführer. Eine der Hauptaufgaben des Fachverbandes läge daher in der konsequenten Weiterbildung der Mitgliedsbetriebe. Die Berufsorganisation bietet zahlreiche Schulungen und Seminare zur Weiterqualifikation an.

In den vergangenen Jahren hat sich der Fachverband zusammen mit den SHK-Innungen verstärkt in den Schulen um qualifizierten Nachwuchs bemüht. Das SHK-Handwerk kämpfe bei Lehrern und vielen Eltern immer noch gegen Vorurteile, so Klein. Die Branche versucht diesen Vorurteilen durch das verstärkte Angebot von Ausbildungs- und Praktikumplätzen entgegen zu wirken. Auch wenn 2006 erstmals ein stärkeres Anwachsen der Lehrlingszahlen um 6,2 Prozent auf 4359 Lehrlinge verbucht werden konnte, könnten nach wie vor 800 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden.