Wärmepumpen-Experte rät zum Top-Installateur
Den fachlichen Höhepunkt beim Verbandstag 2026 des FV SHK-BW im Europa-Park Rust setzte am Samstag, 11. Juli, Dr. Marek Miara, Gründer des gemeinnützigen Projekts heatpumpswatch.org und langjähriger Wärmepumpen-Forscher am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. Der Experte berichtete von der internationalen Fachwelt, die nicht verstehe, warum Deutschland seine Wärmepumpen-Ziele reduziere. Die Zahlen, die er präsentierte, sprachen für sich: In Norwegen liegt der Wärmepumpen-Anteil an den verkauften Heizungen bei 97 Prozent, in Europa bei 28. Frankreich hat den Anteil der Wärmepumpen in neuen Mehrfamilienhäusern innerhalb von fünf Jahren von vier auf 45 Prozent gesteigert. Der deutsche Markt hingegen fahre Achterbahn: plus 50 Prozent 2022, minus 50 Prozent 2023, plus 50 Prozent 2024. „Das gibt es in keinem anderen Land der Welt.”
Sechs Irrtümer – alle widerlegt
Zu Beginn präsentierte Miara die sechs häufigsten Irrtümer über Wärmepumpen – etwa „Das Haus muss zuerst vollständig saniert werden” oder „Ohne Fußbodenheizung geht es nicht” –, um sie im Lauf seines Vortrags anhand von mehr als 400 untersuchten Gebäuden in ganz Europa allesamt zu widerlegen. 85 Prozent der Wärmepumpen werden in Bestandsgebäuden installiert – es funktioniert also.
Die Rechnung geht auf – sogar ohne Photovoltaik
Dass sich die Technik auch finanziell lohnt, rechnete Miara an einem konkreten Beispiel vor: In einem Gebäude mit 150 Quadratmetern Wohnfläche und einem Wärmebedarf von 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter spare die Wärmepumpe – bei einem Strompreis von 23 Cent und einem Gaspreis von 9,2 Cent pro Kilowattstunde –771 Euro pro Jahr im Vergleich zur Gasheizung. Ganz ohne eigene Photovoltaik-Anlage.
Auch ökologisch ist der Vorsprung deutlich: Schon heute sei die Wärmepumpe im Vergleich zur Gasheizung mit zehn Prozent Biogas-Beimischung um den Faktor sieben besser, bis 2030 um den Faktor zehn.
Warum sind Wärmepumpen in Deutschland teurer?
Auf eine zuletzt häufig geführte Mediendebatte ging der Forscher ebenfalls ein: die höheren Wärmepumpen-Preise in Deutschland. „70 Prozent dieser Mehrkosten sind messbar”, so Miara. Allein der höhere Kaufpreis des Geräts hierzulande wirke sich mit etwa 20 Prozent aus, die höheren Anforderungen ans Fundament mit 10 Prozent, die Mehrwertsteuer mit weiteren 10 Prozent. Die nicht messbaren 30 Prozent verteilten sich auf die Marktdynamik – also die Preisgestaltung der Betriebe –, die Förderstrukturen, die Komplexität der Installation, die aber zugleich zu einer besseren Effizienz führe als anderswo, sowie den Technologievorsprung der hiesigen Geräte, etwa durch das Kältemittel Propan.
Entscheidend ist, wer einbaut
Miaras wichtigste Botschaft an die Betriebe: Planung, Installation und Einstellung sind absolut entscheidend für Effizienz und Langlebigkeit einer Wärmepumpe. In seinen Studien habe er gesehen, dass dasselbe Wärmepumpenmodell sowohl die Installationen mit der schlechtesten als auch mit der besten Jahresarbeitszahl hervorbringe. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) beschreibt die Effizienz einer Wärmepumpe über ein ganzes Betriebsjahr. Sie gibt an, wie viel Wärmeenergie im Verhältnis zur eingesetzten elektrischen Energie erzeugt wird. Eine JAZ von 4 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden im Jahresdurchschnitt 4 kWh Wärme.
Miaras Schlussfolgerung: „Wenn mich Kunden fragen würden: Empfehlen Sie eher die Top-Wärmepumpe und den Mittelklasse-Installateur oder den besten Installateur und die Mittelklasse-Wärmepumpe – ich würde immer den Top-Installateur empfehlen.”
Was passiert, wenn diese Regel missachtet werde, zeige Polen: Das Land habe die Einbauförderung auf teilweise 100 Prozent der Kosten erhöht – ohne jede Vorgabe, wer die Geräte einbauen darf. „Priester, Taxifahrer, alle haben auf einmal Wärmepumpen installiert”, formulierte Miara ironisch. Wenige Jahre später sei der Markt dort eingebrochen, weil viele Geräte schlecht oder gar nicht laufen – sie wurden nicht fachgerecht installiert.
Optimieren mit Augenmaß
Wie viel eine gute Einstellung bringt, zeigte Miara mit einer weiteren Berechnung: Steigert man die Jahresarbeitszahl einer Wärmepumpe von 2,5 auf 3, spare das 375 Euro jährlich. Eine Steigerung von 4,5 auf 5 bringe dagegen nur noch 125 Euro. „Die gute Nachricht: Die einfachsten Schritte zur Effizienzsteigerung bringen die größte Ersparnis.” Ab einem gewissen Punkt lohne sich weiteres Optimieren nicht mehr, weil die Kosten die Ersparnis übersteigen. Aber auch um dies zu beurteilen, sind Fachleute unersetzlich.
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